über denk:mal

An früheren Plenarsitzungen haben wir ein Konzeptpapier ausgearbeitet, das die damaligen Ziele und Wege beschreibt:

KONZEPTPAPIER PROJEKT „DENK:MAL“

Einleitung:

Ziel dieses Konzeptpapiers ist, interessierten Menschen das Projekt der autonomen Schule denk:mal näher zu bringen. Damit unsere Pläne und Vorstellungen auch für Menschen aus anderen politischen Zusammenhängen greifbar werden, haben wir hier bewusst versucht sie anschaulich zu beschreiben. Klar ist, denk:mal kann nicht reissbrettartig geplant werden. Wir (die InitiantInnen) haben zwar gewisse Ideen und Wünsche, was aber das denk:mal schlussendlich ausmacht, bestimmen die Benutzerinnen und Benutzer. Auf jeden Fall bietet es viele Chancen und Möglichkeiten, es liegt an allen sie zu nutzen.

Was verstehen wir unter einer autonomen Schule?

Eine autonome Schule ist mehr als nur unabhängig vom Staat und der Privatwirtschaft – sie wird von denen geführt die sie benutzen. Es gibt also keine „Leitung“ die den Lernenden irgendwelche Vorschriften macht oder einen Rahmen setzt. Die Lernenden gestalten gemeinsam einen Ort, an dem sie Fähigkeiten so erlernen können, wie es ihren Bedürfnissen entspricht.

denk:mal soll darum nicht nur Elemente der Wissensvermehrung enthalten, sondern auch als sozialer Treffpunkt dienen. Das heisst, dass Raum zum Feiern, „Zärtlich Sein“, Diskutieren und Rumhängen nicht unser Projekt ausschmückt, sondern zentraler Bestandteil davon ist.

Eine autonome Schule beschränkt sich nicht nur auf die Förderung von theoretischem Wissen. Alle Fähigkeiten die erlernt werden müssen (um sie zu besitzen) finden dort ihren Platz. Also soll es für einen Schreinerworkshop oder ein Musikzimmer genauso Raum haben, wie für einen Kant-Lesezirkel.

Das Erlernen dieser Fähigkeiten soll in erster Linie gemeinsam geschehen. Kein Lehrer oder keine Professorin soll den Unterricht führen. In Lerngruppen in denen es hilfreich oder sogar notwendig ist, wenn eine teilnehmende Person schon über vertieftes Fachwissen verfügt, soll die Struktur des „Unterrichts“ trotzdem von allen gemeinsam festgelegt werden. Die natürliche Autorität der Person mit Wissensvorsprung, muss genau dann wieder aufhören wenn es sich nicht exakt um das Thema handelt, in dem die Person einen Wissensvorsprung hat. Auch soll die so entstehende Hierarchie von der Gruppe thematisiert und hinterfragt werden.

So kannst du dir eine mögliche Umsetzung etwa vorstellen:

Erste und grundlegende Voraussetzung ist es, geeignete Räumlichkeiten zu besitzen. Am besten ein Haus.

Die verschiedenen Räume ermöglichen verschiedene Tätigkeiten. Sie sollen z.B. als Werkstatt, Partyräume, Seminar-/Sitzungsräume, Bibliothek, Büro, Kinderzimmer und Wohnraum genutzt werden.

Der Veranstaltungskalender wird nicht von einer Leitung zusammengestellt. Viel mehr sollen alle Personen/Gruppen die eine Idee haben, zu einer Veranstaltung aufrufen können. Zum Beispiel hat Romano Lust mehr über die Theorien und Gedanken von Antonio Gramsci zu erfahren. Also ruft er zu einem Gramsci-Lesegrüppli auf. Das heisst er schreibt in das Veranstaltungsverzeichnis wann ein erstes Treffen geplant ist, und was etwa die Ziele von diesem Lesegrüppli sein sollen. (Wenn Romano will, kann er noch zusätzlich ein paar Flyers drucken und die an der Uni oder in der Reithalle verteilen. Das würde sich wahrscheinlich auf die TeilnehmerInnenzahl steigernd auswirken…) Beim ersten Treffen bestimmen dann alle gemeinsam das weitere Vorgehen. Romano ist ab jetzt normaler Teil der Gruppe. Er muss weder einen Wissensvorsprung haben, noch muss er weitere organisatorische Aufgaben übernehmen.

Ein anderes Beispiel ist Ildis. Sie ist so voll der Crack am PC und es scheisst sie an, dass alle Plakate der Linken so unprofessionell wirken. Darum bietet sie einen Computerkurs im Fotoshop an. Am dritten Treffen wird der Wunsch geäussert (und von allen begrüsst), dass alle das Gelernte gleich umsetzen sollten und selber Plakate gestalten.(…) Möglich ist also sehr Vieles, bei einem ersten Brainstorming kamen folgende Ideen:

  • Seminare
  • Lesegruppen
  • Kindernachmitage
  • VoKü’s
  • Theaterworkshops
  • Compikurse
  • Konzerte
  • Jamsessions
  • Film-workshops (drehen-schneiden)
  • Handwerk-workshops
  • Jonglierkurse
  • Deutschkurse für Fremdsprachige
  • Tanzgruppen
  • Filme zeigen
  • Kollektiv wohnen/leben lernen
  • 1. Hilfe Kurse
  • Veloflickkurs
  • Radiokurse
  • Vorträge
  • Kleiderbörse
  • Bücherbörse
  • Rechtshilfekurs

Kein Platz finden Veranstaltungen, welche nicht mit unseren Grundsätzen vereinbar sind, insbesondere solche mit kommerziellen oder machtpolitischem Hintergrund.

Es ist wünschenswert wenn für die Veranstaltungen öffentlich aufgerufen wird. Ausnahmen sind möglich, aber Zulassungsbedingungen kommen nicht in Frage. Weder solche von finanzieller Natur, noch in der Form von vorausgesetztem institutionalisiertem Kulturkapital (bspw. Matur). Als Voraussetzung an die Teilnehmenden kommt nur die Bereitschaft in basisdemokratischen Strukturen mitzuwirken in Frage.

Einschub: Was ist Basisdemokratie?

Basisdemokratie ist eine Organisationsform die ohne Hierarchien funktioniert. Die Idee dabei ist, dass erstens jedeR einzelneR nicht nur einen Vorschlag annehmen oder ablehnen kann, sondern dass er/sie auch bei der Ausarbeitung des Vorschlags beteiligt ist. Das verlangt von allen eine aktive Auseinandersetzung mit den herrschenden Problemen und steigert die Identifikation mit dem Projekt.

Zweitens wird nicht mit einem Mehrheitsentscheid entschieden, sondern es wird eine Lösung gesucht mit der alle leben können. Eine Mehrheit kann nicht automatisch ihre Meinung den anderen aufdiktieren. Jedoch liegt es an allen, soweit wie möglich kompromissbereit zu sein. Andernfalls lässt es sich schwer Entscheidungen fällen.

Eine konkrete Umsetzung einer basisdemokratischen Struktur könnte etwa folgendermassen aussehen. Ein Kulturzentrum besteht aus verschiedenen Gruppen. Einer Kinogruppe, einer Theatergruppe, einem Restaurantkollektiv, mehren Politgruppen, einer Veranstaltungsgruppe und noch aus vielen mehr. Die Gruppen organisieren ihre Räume weitgehend autonom. Für Entscheidungen welche das ganze Kulturzentrum betreffen, gibt es eine Delegiertensitzung. Einmal in der Woche treffen sich von jeder Gruppe je einE DelegierteR (immer jemand anderes der Gruppe, Rotationsprinzip). Diese Delegierten diskutieren dann die anstehenden Probleme. Die Lösungsvorschläge die sich in der Diskussion herauskristallisieren werden dann von den Delegierten in ihre Gruppen zurückgetragen. Die Gruppe diskutiert dann die Vorschläge und versucht eine gemeinsame Haltung zu finden. An der nächsten Delegiertensitzung werden die jeweiligen Ergebnisse miteinander verglichen. Bei Konsens wird der Entscheid nun definitiv gefällt, sonst wird eine andere, konsensfähige Lösung versucht zu finden. Die wird dann wieder in die Gruppe zurückgetragen… Grundlegende Entscheidungen werden aber nach wie vor von der Vollversammlung getroffen. Sie ist das höchste Organ des Kulturzentrums. Dazu sind alle „in dem Zentrum aktiven Personen“ eingeladen. Auch da wird per Konsens entschieden. Dazu könnte es noch eine Betriebsgruppe geben, die die Entscheidungen der Delegiertensitzung und der Vollversammlung ausführt, selber aber keine Entscheidungskompetenzen besitzt.

Basisdemokratie hat wie alle anderen Organisationsformen Vor- und Nachteile. Die Vorteile liegen darin, dass aufgrund des Konsensprinzips niemand übergangen wird. Die Identifikation mit den resultierenden Lösungen ist darum grösstmöglich. (Diese zeichnen sich oft, dank ihrer vielen MitschafferInnen, durch Kreativität aus.) Auch löst diese Organisationsform durch die geforderte Teilnahme aller, bei ihren BenutzerInnen einen emanzipatorischen Prozess aus. Sie lernen selber zu denken, selber zu handeln und gewinnen Vertrauen in sich selber. Das schützt mensch auch vor naiver Autoritätsgläubigkeit, was aus unserer Perspektive ganz klar als positiv zu bewerten ist.

Zu erkennen ist aber auch, dass hierarchische Strukturen oftmals effizienter sind. Eine Person entscheidet schneller als alle. Dazu sind wir alle Teil der herrschenden Zusammenhängen und nicht unbeschadet von dem, uns eingetrichterten Konkurrenzdenken. Was nicht unbedingt konstruktives und solidarisches Zusammenarbeiten fördert.

Grundsätzliches

denk:mal soll basisdemokratisch organisiert sein. Das hat zur Folge, dass die genauen Grundsätze und deren Auslegungen basisdemokratisch bestimmt werden sollen. Damit das Projekt aber einen emanzipatorischen Charakter erhält, sind gewisse Grundsätze nicht wegzudenken. Zu erwähnen ist, dass jede Form von Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder sexueller Ausrichtung sicher nicht geduldet wird. Auch Basisdemokratie soll als Organisationsform gegeben sein. Weiter ist es ein Anspruch von den Initiierenden, dass es keine Lohnarbeit geben soll. Die Arbeit am Projekt basiert immer auf Freiwilligkeit.

Die Umsetzung der Grundsätze auf denk:mal soll gemeinsam geschehen. Wir haben zwar schon konkretere Vorstellungen, wollen aber im Sinne der Basisdemokratie nicht vorgreifen.

Politisch/Theoretischer Hintergrund

Das Projekt hat eigentlich zwei konkrete Auslöser. Zum einen ist es aus Kritik am herrschenden Bildungswesen entstanden, zum anderen ist es als Teil der autonomen Strategie zu sehen.

Die Schulen und Universitäten haben die Aufgabe, aus den Menschen gesellschaftsfähige Wesen zu gestalten. Bei einer kritischen Analyse der herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen muss sich mensch aber fragen, ob das auch wünschenswert ist. Denn um in unserer Gesellschaft zu funktionieren, braucht es Werte die wir nicht teilen. So sind das Effizienzdenken, die Autoritätshörigkeit, der vorbehaltslose Wille zur Arbeit, das Konkurrenzdenken und die Fähigkeit, Herrschendes als gegeben zu betrachten, eher Auslöser und Bewahrer als Beseitiger von Übel.

Heute, wo vor allem das Wirtschaftswachstum als zentral angesehen wird, bedeutet das, dass die Methoden und Lerninhalte den Bedürfnissen der Wirtschaft angepasst werden. Erhöhte Studiengebühren, Bologna und drohende Elitenuniversitäten sind die logische Folge davon. Zahlreiche tiefergehende Texte dazu hat die Aktion ungehorsamer Studierender (http://www.ungehorsam.ch) geschrieben.

Auch die benötigten „billigen Arbeitskräfte“ schaffen unsere Schulen bereitzustellen. JedeR bekommt nur soviel Bildung wie es für die Gesellschaft nötig ist.

denk:mal hat das Ziel die herrschende Hegemonie der bürgerlichen Schulen anzukratzen. Es soll gezeigt werden, dass die aktuellen Versionen der Bildungsinstitutionen nicht die einzigen mögliche sind.

Weiter bietet so ein Projekt die Möglichkeit selber Ideen umzusetzen. So können wir nicht nur kritisieren sondern Alternativen leben lernen.

Aus der autonomen Perspektive ist denk:mal ein weiterer Freiraum in dem sich die Menschen selber organisieren lernen. Das ist ein Schritt weg vom Kapitalismus hin zu einer selbstbestimmten und solidarischen Welt. Das Ziel ist, dass sich immer mehr Leute solche Freiräume erkämpfen – bis die ganze Welt nur noch aus basisdemokratisch organisierten Gruppen besteht. (Irgendwann…).