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wann: jeden Montag, 20.00 Uhr

zur Zeit lesen wir folgende zwei...

  • Thomas Bernhard: Die Ursache (ISBN 3-423-0199-4)

Thomas Bernhard - vermutlich liebt oder hasst man ihn. Seine Art, Sachverhalte zu wiederholen, zu übertreiben und zu zerstören zeigt sich auch in diesem Werk, in dem er seine Zeit in einem Salzburger Gymnasium schildert, welches zuerst ein nationalsozialistisches, später ein katholisches und doch immer das gleiche gewesen sei. Anschaulich schildert er, wie er unterdrückt wurde, ein Großteil handelt davon "Selbstmord zu machen" und somit erzeugt diese autobiographische Schrift eine deprimierende Atmosphäre. Er schildert Dinge, wie er sie erlebte, und nicht, wie er sie hätte erleben müssen. Vielleicht mag es unverständlich wirken, wie man sich über, so mag es erscheinen, solch läppische Dinge pikieren kann, aber genau darin liegt das Wundervolle und Erhebende in diesem Buch, denn zwischen all den Trümmern des Krieges auf vielen Ebenen existiert immer noch er und sein Verstand, allen subjektiven Widrigkeiten zum Trotz, der viele Jahre später scharfzüngig, ehrlich und respektlos kritisiert und vernichtet, ähnlich, wie es ihm früher widerfuhr. Das Buch strotzt vor Wortklaubereien, die zuerst überflüssig und unendlich lang, später aber notwendig erscheinen. Gekonnt führt er durch die Episoden seines inneren Krieges und man selbst wird immer wieder aufgefordert, seine eigenen Prinzipien zu überdenken.

  • Gion M. Cavelty: Tabula Rasa (ISBN: 3-518-12076-X)

Auszug aus Tabula Rasa:

Kapitel 32 Quifezit

Auf einen Schlag herrschte Totenstille im Saal. "Sie wollen das BUCH?" "So ist es", bestätigte ich. "Die Show ist zu Ende!" schrie Earl Grey ausser sich vor Zorn. "Aus! Vorbei!" Wuchtig schloss sich vorne ein schwerer schwarzer Vorhang, was einen Luftzug von immenser Kraft erzeugte. Die Anwesenden wurden kreuz und quer durch den Raum gewirbelt, ein unüberblickbares Gewirr aus Armen, Beinen und Flossen entstand, ein gordischer Knoten aus Köpfen, Leibern und Gliedmassen. Politiker und Polizisten, Priester und Pottwale gab es nicht mehr, dafür Rollpaipel, Iesper, Woitiketts und Totzripeln. Alles war komplett aus den Fugen geraten, nichts mehr, wie"s gewesen.

Es wurde dunkel, ich verlor den Boden unter den Füssen, wurde um Jahrmillionen zurückgeworfen, rutschte durch Fruchtwasser und Ursuppe, schlitterte über glitschige Planetenplazenten, versuchte mich ans Skelett des Weltalls zu klammern, bekam es nicht zu fassen, stürzte kopfvoran durch Schwefeldampf, Sternensperma und Kometenstaub, liess den Urknall hinter mir und erreichte den ersten Tag der Schöpfung. "Schwester, die Zwangsjacke", hörte ich von fern Dr. Graus Stimme. Etwas musste nun passieren. Und zwar schnell. "Es werde Ficht!" schrie ich. "Es werde Gicht! Es werde..." Da! Ein schwacher Lichtschein. Eine kleine Lampe. Ein Tisch. Ein Buch. Eine schreibende Gestalt. "Verschwinden Sie!" rief sie zu mir herüber. "Sie stören den Schöpfungsakt." Ich machte mich daran, den Tisch zu entern, der gefährlich im Nichts schwankte. "Haben Sie verstanden?" giftete die Gestalt. Keuchend hievte ich mich auf den Tisch. "Wer sind Sie überhaupt? Sie kommen in meinem Buch gar nicht vor!" "Das ist doch die Höhe! Soviel ich weiss, bin ich es, der Sie schreibt!" "Lügner! Betrüger! Hybrider Sack!" "Lügner! Betrüger! Hybrider Sack!" "Sie sind ja vollkommen wahnsinnig!" "Sie sind ja vollkommen wahnsinnig!" Auge in Auge sassen wir uns gegenüber. Übersprangen ein paar Zeilen. Näherten uns dem Schluss. Bogen auf die Zielgerade ein, Kopf an Kopf.

"Das letzte Kapitel!" sagte ich.

"Das letzte Kapitel..."