Selbstbezichtigung ein Sprechstück von Peter Handke
Vor 40 Jahren hat Peter Handke das Sprechstück 'Selbstbezichtigung' geschrieben. Entstanden im Umfeld der aufsehenerregenden 'Publikumsbeschimpfung', proklamierte der Literatur- und Theater- betrieb angesichts dieser Stücke im Herbst 1966 den Abschied vom bildungsbürgerlichen Traditionstheater wie vom Theater-'Schwulst eines ausgeliehenen ideologischen Überbaus', der der Gruppe 47 nämlich.
Heute stellt sich uns die Frage, inwieweit diese Texte Theatergeschichte, inhaltlich wie formal zeitgebunden sind und stellen erstaunt fest, welchen fast universalen Umkreis menschlicher Befindlichkeiten der 24 Jahre junge 'Beatnik' Handke mit dieser transparenten und durchrhythmisierten Sprach-Partitur beschreitet. Es ist eine menschliche Gedankenwelt, die sich uns offenbart. Hinstehen und sich zeigen. Den Mund aufmachen, sich selbst anklagen, Stellung beziehen, seinesgleichen finden, indem man sich zeigt.
Die Selbstanklage offenbart sich als universales Selbst: Bewusstsein und entpuppt sich immer mehr zu dem Mut, den wir im Hier und Jetzt zunehmend vermissen. Angesichts endloser, eintöniger, kleinmütiger und anonymer Selbstbezichtigungen im Reality-TV wird ein Individuum gezeigt, das die eigenen Übertretungen öffentlich gesteht, indem es der delphischen Forderung nach Selbsterkenntnis nachkommt, abseits von Exhibitionismus und Voyeurismus. Aus der komisch-verquer wirkenden Litanei, mit der es Handke gelingt, unsere Existenz fast vollumfänglich zu zeichnen, wird auf Strecken ein grossartiges Lamento.
Die grosse Klage der menschlichen Kreatur!
Homepage Selbstbezichtigung inkl. super Video

|
Mon |
Die |
Mit |
Don |
Fre |
Sam |
Son |
- Listenansicht für kleinere Bildschirme oder bessere Lesbarkeit.
- zu klein? In vielen Browsern lässt sich die Ansicht mit der Tastenkombination <Strg> + <+> vergrössern.
- Tagesnummer anklicken für ausführlichere Tagesansicht.
