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Lebenserfahrung und Geistesarbeit
Simone Weil und der Anarchismus
Mit Texten von Domenico Canciani, Robert Chenavier, Charles Jacquier, Géraldi Leroy, Adriano Marchetti, Louis Mercier-Vega, Anne Roche, Patrice Rolland, Boris Souvarine, Simone Weil.
Simone Weil (1909-1943) wurde in Frankreich von dissidenten Vertretern der sozialistischen Bewegung mit Rose Luxemburg verglichen. Im Gegensatz zur Mehrzahl der französischen Intellektuellen machte sie sich keine Illusionen über den Charakter der UdSSR, den Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland oder die Parteien der französischen Volksfront. Simone Weil gehörte einer minoritären politischen Kultur an, die das stalinistische Verständnis des Sozialismus sowie die Identifikation der Arbeiterbewegung mit der „Arbeiterpartei“ nicht teilte. Nach 1934 gehörte sie zu den wenigen klarsichtigen AktivistInnen, die sich ohne falsche Hoffnungen mit den Niederlagen der weltweiten Arbeiterbewegung befassten und anfingen, deren Ursachen methodisch zu untersuchen. Die Erfahrung ihrer Teilnahme an Revolution und Bürgerkrieg in Spanien 1936 führte sie zu neuerlicher Kritik an revolutionärer Gewaltanwendung, die im französischen anarchistischen Milieu noch lange nach ihrem Tod und bis heute diskutiert wird. Mit einer Mischung aus wissenschaftlichen und zeitgenössisch-politischen Texten erinnert dieses Buch an die anarchistische Lebens- und Schaffensphase Simone Weils, jener praxisnahen Philosophin, die lange Zeit nur als Christin rezipiert und gewürdigt wurde. Sie stellte sich den schlimmsten Tragödien des 20. Jahrhunderts (Faschismus, Nationalsozialismus, Stalinismus, Bürgerkrieg in Spanien) als gewaltkritische Anarchistin in einzigartiger Weise und entwickelte aus ihren Lebenserfahrungen einen heute noch aktuellen, utopischen Entwurf dessen, was Freiheit im politisch-gesellschaftlichen Bereich sowie in der Arbeitswelt bedeutet.
Herausgegeben von Charles Jacquier: leitet die Reihe Mémoires sociales im Verlag Editions Agone (Marseille) und die Rubrik Histoire radicale bei der Zeitschrift Agone; Koautor des Buches Boris Souvarine et „La Critique sociale“, Editions la Découverte, 1990, sowie von Présence de Louis Mercier, Atelier de création libertaire, 1999; forscht zur Geschichte der politischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts; publizierte bereits zu Jean Bernier, Maurice Dommanget, Georg K. Glaser, Marcel Martinet, Louis Mercier Vega, Jacques Perdu, Boris Souvarine; Beiträge für die Zeitschrift für Sozialgeschichte Gavroche und für das biographische Lexikon der französischen Arbeiterbewegung, genannt: Maitron.
